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Wanderer
Wir leben in einer Zeit, in der das Internet fast allen die Möglichkeit gibt, sich selbst darzustellen, sich anderen mitzuteilen und all die sinnigen und unsinnigen Vorgänge in unseren Köpfen in die Welt hinauszukatapultieren. Manche wollen unterhalten, andere verfolgen ernste Interessen und dann gibt es da natürlich noch all die Dinge, die so sinnfrei sind, dass sie einen dazu bringen, fast eine ganze Minute wertvoller Lebenszeit mit völlig entleerten Hirnhälften auf den Monitor zu starren.
Seit fast 6 Jahren versuche ich nun schon diese Webseite zu gestallten. Das, was mich stets davon abgehalten hat, endlich damit zu beginnen, liegt in einem einfachen Paradoxon. Zu den eher introvertierten Menschen gehörend, will ich zwar die Dinge, die ich erlebe, teilen; aber die Person, die diese Dinge erlebt eher in den Hintergrund gerückt wissen. Und doch ist es unumgänglich, dass alles, was ich schreiben werde, alles, wozu ich eine Stellung beziehe, unweigerlich auf mich zurückfallen und von den Dingen erzählen wird, die in mir vorgehen und mich somit ausmachen. Eine der gröβten Herausforderung ist es wohl, nicht Prinzipien, Meinungen und Einstellungen bezüglich einer Sache, Begebenheiten oder Umständen zu haben und diese zu verfolgen, sondern die vielen Augenblicke zu erkennen, in denen es Zeit wird, diese zu überdenken, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ersetzen. Und wenn man sich hin und wieder vor Augen hält, dass man stetigen Veränderungen unterliegt und das, was man heute schreibt, vielleicht morgen schon wieder anders sieht, dann fällt es einem gleich viel leichter diese Ansichten in Form eines Gedichtes, eines Textes oder eines Fotos darzulegen und andere daran teilhaben zu lassen. Mein Interesse gilt dem Guten und dem Schönen, das man aber erst erkennen kann, wenn man sich auch immer wieder wagt, die schlechten Dinge zu betrachten, ohne dadurch zu einem Zyniker, Sarkasten oder gar handlungsunfähig zu werden; und ich bin mir sicher, dass es viele Menschen da drauβen gibt, die genau wissen, wie schwer das ist. Es ist wichtig, die Menschen nicht verändern zu wollen, wenn man fast ein gesamtes Leben dazu benötigt, sich selbst zu dem zu formen, wie man eigentlich sein sollte - sofern man das will. Aber man sollte sich trauen, nach Perspektiven zu suchen und sie anderen anzubieten. Ich gehöre zu denen, die, was politische und religiöse Belange angeht, interessiert, aber nicht orientiert sind und lehne jegliche Form von Extremität ab, ohne dabei konservativ zu sein. Mir wurde immer wieder vor Augen gehalten, dass der Mensch unglaublich viel mehr ist, als sein Werdegang, sein Beruf oder die Auszeichnungen, die ihn in irgendeine gesellschaftliche Stellung pressen. Daher ist es völlig unwichtig, wer oder wie alt ich bin und was ich in meinem Leben alles gemacht habe. Aber ich mag über die Dinge schreiben und sie teilen, über die ich tagtäglich in der Welt stolpere und mit Menschen rede... - Wanderer
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