...das Leben ist ein Netzwerk


Auf der Jagd

Dem Titel entsprechend werde ich jetzt nicht sagen, dass den auf den Aufnahmen zu sehenden Tieren keinerlei Schaden zugefügt wurde. Genau genommen sind einige von ihnen ziemlich - tot. Aber den meisten ist sicherlich bewusst, dass das Leben hier draußen im Outback ein wenig anders funktioniert.

Da die meisten Menschen es lieben, die Fleischtheken in den Supermärkten leer zu räumen, aber sie weder bereit sind ein Tier zu töten oder auszunehmen, geschweige denn, sich damit auseinanderzusetzen, werde ich keinerlei Bilder eines Tötungsaktes oder anstoßenden Inhaltes zur Ansicht darbieten - obwohl ich selbst die Hausschlachtungen unserer Schafe hier sehr interessant finde und man mit wesentlich mehr Respekt vor den Mahlzeiten sitzt und dem Wurstregal steht.

Jagd in jeglicher Form ist hier draußen ein Thema, welches einen tagtäglich umgibt. Ob es um den Lauf der Natur geht, die eigene Nahrungsversorgung oder einfach nur um eine Fehlinterpretation. Eines muss einem dabei aber bewusst sein: Das Land ist weit und die Ziele klein. Und wenn man ein Rind nicht in eine Bolzenschussanlage quetscht, nachdem es endlich den Weg durch die industrielle Massenproduktion durchstanden hat, endet nicht immer alles mit einem Blattschuss und Hunde und Messer sind oft die sicherste Methode das lange und glückliche Leben eines Tieres in Freiheit zu beenden. Aber alles der Reihe nach:


porcupineIch habe oft von einem Stachelschwein gehört und hatte auch eine gewisse Vorstellung davon, aber als ich das erste Mal vor einem lebenden stand, wurde mir erstmal bewusst, wie falsch und absurd diese war. Es ist etwa fußballgroß und sieht irgendwie aus, als hätten ein Ameisenbär, ein Maulwurf und ein Igel viel Spaß miteinander gehabt; Und wenn man sich die dicken Polster unter den Füßen anschaut, möchte man meinen, ein Hoovercraft war auch dabei. Wenn man es das erste Mal in freier Wildbahn sieht und es sich zusammenrollt hat, hält man es glatt für einen Kaktus und es soll angeblich sehr lecker sein - wobei ich nicht das Bedürfnis verspüre, dies herauszufinden. Die Lieblingsspeise eines Stachelschweins sind Ameisen und wenn sie eines der vielen Nester hier gefunden haben, eröffnet sich ihnen das Schlaraffenland - ein Klick auf das Foto vergrößert den Gesichtsauschnitt. Die Ameisen krabbeln ihrem Besucher regelrecht ins Maul.

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Und nun schaue man sich diese schelmisch drein grinsende Bande an. Mittlerweile kommen unsere Hausziegen und ich sehr gut miteinander aus und sie begleiten mich den gesamten Weg, wenn ich mit einem der Hunde spazieren gehe.


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Bevor ich aber herausgefunden hatte, dass sie lediglich mit durch die Gegend schlendern wollen, begab ich mich vor einigen Wochen auf einen morgendlichen goats2Spaziergang und hatte Mighty dabei. Weit draußen auf offener Fläche hörte ich sie dann plötzlich hinter mir mit vereinter Stimme zicken. Und wie ich mich umdrehte, standen sie in Reihe und Glied hinter mir und schienen eine Front zu bilden. Aber wie verhalten sich "wilde" Ziegen durch dessen Territorium man läuft und die sich einem nicht wie in einem Streichelzoo an den Hals werfen? Und da sie immer wieder geschlossen vorstürmten, stehen blieben und zickten, dachte ich mir, es wäre wohl besser zu Mighty aufzuschließen. Die Ziegen kamen immer schneller näher und als sie mich dann erreichten, fingen sie an zu bocken. Na ja, um die Sache auf den Punkt zu bringen - ja, ich bevorzugte es, einen Stock in der Hand, auf einen über dem Fluss hängenden Ast zu klettern und Mighty die Angelegenheit regeln zu lassen. Und wie sie die Ziegen in die Flucht geschlagen hatte und wir sie am Haus wiedertrafen, wo sie mich friedlich angrinsten: Ich wette, sie hatten die Geschehnisse vorher abgesprochen, damit die sowieso ständig eifersüchtige Mighty sich vor mir profilieren konnte. Wie auch immer - lieber mal von Ziegen jagen lassen, als eines ihrer Hörner abzubekommen.


Zu Mighty sei gesagt, dass ihre Eifersucht daher rührt, da sie früher hier das Sagen hatte und sterilisiert und dadurch walrossrund und fortgeschrittenen Alters von Puck und Suzy abgelöst wurde und sich des Öfteren überflüssig zu fühlen scheint. Sie sollte aber nicht unterschätzt werden, denn wenn es hart auf hart kommt, hat die alte Dame immer noch das letzte Wort. Und wer sie einmal jagen gesehen hat, der will nicht derjenige sein, hinter dem sie her ist.

foxEs kommt immer mal wieder vor, dass einem beim Spazierengehen ein Fuchs über den Weg läuft. Nun ist es so, dass die meisten von den Europäern eingeführten und nicht domestizierten Tiere hier keine natürlichen Feinde haben und daher eine Bedrohung für das Gleichgewicht der Flora und Fauna darstellen. Ob es sich nun um Füchse handelt, welche die Engländer für die Vergnügungsjagd eingeführt haben, Wildschweine, die durch ihr Gewühle hochgradigen Schaden am Land verursachen oder Katzen, die in freier Wildbahn einiges größer werden und für das Gelege der Bodenbrüter, welche hier oft nur ein oder zwei Junge im Jahr bekommen, eine große Gefahr darstellen; Es ist im Outback üblich, die Hunde gewähren und ihrem natürlichen Jagdtrieb nachgehen zu lassen. Und wer glaubt ein Hund könne nicht grinsen, der sollte sich dieses Foto von Mighty ansehen, die ganz stolz zu sagen scheinen will, wie toll sie ihre Arbeit verrichtet. Das Bild des Bisses in die Kehle von Herrn Reineke, der von einem deutlichen Knacken begleitet war, lassen wir mal weg.

mighty



Vor zwei Wochen verbrachten Herbert, der vor
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langer Zeit aus Hamburg nach Sydney auswanderte, und seine Freunde hier draußen ihren Urlaub und wollten jagen. Michael gab ihnen die Erlaubnis Wildschweine, aber keine anderen Tiere zu töten, die anschließend alle einem Zweck zugeführt wurden. Also entweder auf dem eigenen Spieß, in irgendeinem Lokal auf dem Teller oder im Futtertrog der Hunde landeten. Wir fuhren also den ganzen Tag über Stock und Stein und suchten Wildschweine. Auch wenn sie sich tagsüber gut verstecken, ist es nicht wirklich schwer sie zu finden. Die beachtlichen Spuren ihrer Verwüstung leiten einen quasi direkt zu ihnen. Sind sie einmal pighunt2aufgespürt und fliehen, gerät alles in Hektik. Man springt aus dem Wagen, lässt die Hunde los und die Jagd beginnt. Die übliche Methode besteht darin, dass die Hunde eines der Schweine stellen und an den Ohren festhalten und einer der Jäger einen geübten und wohlplatzierten Herzstich ansetzt. Und ich hoffe, dass jetzt nur diejenigen verständnislos den Kopf schütteln, die auch keine Angler mögen. Diese Methode ist die sauberste, wenn man bedenkt, dass ein Schuss nicht immer sitzt.

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A propos Schuss: Als wir einer ganzen Horde Wildschweine gegenüberstanden, wurde auch zu den Gewehren gegriffen und während Herbert neben mir stand, murmelte er irgendetwas, was ich nicht verstand. Nach einem gewaltigen Knall und dem darauf folgenden tinnitusverdächtigen Geräusch in meinem rechten Ohr, konnte ich jedoch seine Worte als "watch out" rekonstruieren. Hier rechts sehen wir Jamie mit zwei von zwölf Schweinen, die an diesem Tag erlegt wurden. Nach getaner Arbeit, waren auch die Hunde müde und gönnten sich, mehr oder weniger wohl gebettet, auf oder neben ihrer Beute Ruhe.

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Die Jagd, die so nach Abenteuer und neuer Erfahrungen klingt, hat aber auch ihre Schattenseiten. Denn hier draußen ist man nicht nur hin und wieder Jäger sondern auch ungewollt Gejagter. Wissend, dass in Australien einige der giftigsten und gefährlichsten Tiere leben, ignoriert man diese Tatsache hin und wieder im Alltag. Man wird jedoch schnell wieder daran erinnert, dass man immer hinsehen sollte, wo man auftritt, wenn man zum Beispiel wie ich eines Morgens vom Spaziergang wiederkommt und zehn Meter hinter dem Haus den sechs Monate alten Kelpie Cap findet, der durch einen Schlangenbiss getötet wurde. Wenn man also doch mal einer King Brown Snake über den Weg läuft, lässt man sie eigentlich in Ruhe. Diese hier allerdings erlag unseren Autoreifen, denn 500 Meter bis zum Haus - die legt sie schnell zurück...


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- Wanderer