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Das Umland

Und wieder ist ein ganzer Monat in das Land gezogen. Die Kängurus werden langsam flügge, Paula entwickelt sich zu einer klugen Schafsdame, Paul versucht seine fehlende Intelligenz durch kleine Teufelshörner wett zu machen und der Zuwachs durch die Lämmer Lilly, Otto und Runner lässt die Fütterungen allmählich in echter Arbeit ausarten: Mit zwei Händen füttern und den Füßen drei Schafe wegschubsen, während diese mir mit Kopfattacken, treten und knabbern klar machen, dass es ja wohl mein Problem wäre, wenn ich nur zwei Nuckel habe.

jack
Vier der sieben Welpen aus Suzys Wurf haben mittlerweile ein neues Zuhause gefunden und der kleine Jack - ein kleiner, 6 Wochen alter Kelpie - schafft es tagtäglich sich in den Mittelpunkt zu drängen und die ganze alte Hunderiege auf Trab zu halten. Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass Girlie auf einen zukommt, einen winzigen, schwarzen Hund an den Lefzen hängen hat und einen mit künstlich gezogener Hasenscharte anschaut, als wolle sie sagen: "Ich hab da waf am Maul - mach weg..." Meistens enden Jacks Nervereien mit einem Jaulen und - bin ich in der Nähe - der Flucht zwischen meine Füße; aber wer mit den Großen spielen will, muss halt auch deren Regeln lernen.

Aber machen wir nun einen kleinen Ausflug in die Umgebung und begeben uns auf die Straßen des Outbacks. Michael bietet Interessierten ein "cultural heritage training" an. Daher besuchen uns hin und wieder Gruppen, die einige Tage bei uns übernachten und tagsüber auf Entdeckungstour gehen.

Es ist schon beeindruckend; Man kann stundenlang durch die Gegend fahren und die Natur ändert sich keinen Deut. Aber wenn man die richtige Route kennt, so ändert sich die Landschaft im Fünfzehnminutentakt. Nehmen wir die Route von Goodooga zum südwestlich gelegenen Ort Brewarrina und dann wieder hinauf zu den weiter östlich gelegenen Narran Lakes. Das sieht dann ungefähr so aus:


dromedarDirekt zu Beginn der Fahrt stolpert man über Dromedare, die sich ein Nachbar als Haustiere hält. Sie kommen hier auch als wild lebende Tiere vor, da sie zu Zeiten der Kolonialisierung als Transportmittel durch die zentralen Wüstengebiete Verwendung fanden und hin und wieder feststellen mussten, dass sie plötzlich alleine dastanden, weil die Menschen um sie herum alle verdurstet waren. (Die meisten hatte man freigelassen, nachdem man sie durch den motorisierten Transport und die Eisenbahn ersetzt hatte.) Wie auch immer. Wenig später lichtet sich das Land...

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macht dem Sand bis nahe zum Horizont Platz...

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und wechselt über in eine Graslandschaft:

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Auf halbem Wege zu den Narran Lakes kommt man dann an eine Stelle, zu der man sich eigentlich einmal zu Fuß begeben müsste, da sogar das Fahrzeug hier wie ein Fremdkörper wirkt:

Der Blick nach Vorne und nach Hinten:

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Der Blick zur Seite:

 

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Und auch, wenn ich im Augenblick mit keiner 360°-Ansicht dienen kann - es darf sich jeder eines Tages gern vor Ort überzeugen - ist das Land rundherum bis zum Horizont so flach, dass man die Erdkrümmung zu sehen vermag. Und sich des Nachts hier niederzulassen, wissend, dass unter einem überall Diamanten und Opale schlummern (zum Glück nicht in dem Maße, dass sich ein Abbau lohnte) und die Milchstraße zu betrachten muss ein Traum sein und soll einem angeblich das Gefühl verleihen, unter einer gläsernen Sternenkuppel zu liegen. Leider habe ich kein Weitwinkelobjektiv dabei, aber einen kleinen Ausschnitt möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten (für eine größere Version auf das Foto klicken):

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Ein weiteres Phänomen hier draußen: Wer noch nie eine Fata Morgana gesehen hat, bekommt hier die Gelegenheit dazu; am Horizont Bäume und ganze Häuserreihen scheinbar im Wasser stehend oder wie hier im Bild die Straße angeblich mit Wasser überflutet - nur eine Luftspiegelung, denn der Weg war staubtrocken.

mirror

Fahren wir weiter zu den Narran Lakes. Der Boden wurde immer rötlicher, die Umgebung wieder von Bäumen dominiert und als wir an unserem Ziel angekommen waren... - ich präsentiere die Narran Lakes:

narran-lakes

Ich erwähnte, dass es hier überwiegend trocken ist und dass ich glaube, die drei Tage Dauerregen zu meiner Anreise ereigneten sich aus purer Böswilligkeit des Landes mir gegenüber? - Nun gut, ein wenig Wasser führten die Seen dann doch, aber nicht soviel, dass sich ein Foto gelohnt hätte. Viel interessanter gestalteten sich die Begebenheiten, die sich auf dem freigelegten und an manchen Stellen vorübergehend grünen Grund abspielten...

Wieder einmal eine Horde Emus:

emu


green-antUnd vor allem - Ameisen: Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele verschiedene Arten von Ameisen gesehen, wie hier: Da sind zum einen die, die man aus der Heimat kennt; von winzig klein bis waldameisengroß. Aber auch die hier zu sehende "green ant", um die sich eine überlieferte Geschichte der Aborigines dreht, die tausende Jahre alt ist und verdeutlicht, dass diese die einzigen sind, die in uranhaltiger Gegend überleben können. meat-antÜberflüssig zu erwähnen, dass bei den Atombombentests der Briten und Amerikaner in den 50er und 60er Jahren hier in Australien, genau diese Ameisen übrig blieben. Dann gibt es da noch die "bull ants", die ich leider noch nicht vor die Linse bekommen habe. Sie sind noch größer als die hier abgebildete "meat ant", welche sich anscheinend entschlossen hat vegetarisch zu leben und (als Größenvergleich) munter den Stiel meines Apfels nach Hause trägt. Und ja - man möchte nicht von ihr gebissen werden. Ihr zu Hause ist übrigens oberschenkelhoch und sieht so aus:

ant-hill


Auf dem Rückweg fuhren wir durch Grawin, einer Opalgräberstadt wie aus einem Western. Überall abgesteckte Claims mit Gewaltandrohung bei unbefugtem Betreten, einem "post office", welches gerade mal so groß wie ein Toilettenhäuschen war und einer Bar mit dem Namen "The club in the scrub", der stolz damit warb, dass man hier tiefgefrorene Mahlzeiten anbot, die man an der Bar erfragen könne. Hier saßen stinkreiche Männer, die es gewohnt sind Opale, die nicht mindestens murmelgroß sind, einfach wegzuwerfen und gescheiterte Existenzen zusammen und waren an ihrem Erscheinungsbild nicht auseinanderzuhalten. Auf dem Boden in der Ecke war ein grünes Filztuch mit weißen Trennlinien gespannt. Die Wände hingen voll mit Urkunden und in Vitrinen standen Pokale von auf diesem Tuch stattfindenden Flusskrabbenrennen. Was soll man da sagen? Der Einfallsreichtum der Menschheit zur Tilgung von Langeweile ist... atemberaubend.

Ein weiterer Zwischenstop brachte uns zu einer der wohl ältesten Postzentrale der Welt. Der hier abgebildete Coolabah-Baum gehört, wenn er es nicht sogar ist, zu den größten seiner Art und diente den Aborigines auf ihren Reisen als zentraler Haltepunkt, um wichtige Nachrichten zu hinterlassen, welche in die Rinde geritzt wurden.

coolabah-tree

Und während wir allmählich in den Sonnenuntergang fuhren...

way-home

...eröffnete sich mir wenig später auch, dass die Farben der Flagge der Aborigines nicht zwangsläufig denen der Deutschen gleichen, weil sie in einer deutschen Kolonie entworfen worden ist, sondern, wenn man auch ihren Aufbau betrachtet, durchaus die Möglichkeit besteht, dass die Inspiration einen ganz anderen Ursprung hat...

sundown



- Wanderer