...das Leben ist ein Netzwerk


Die Vorbereitung

Sicherlich sollte man Vorsichtig sein, was man sich wünscht. Und als ich Jutta darum beneidete, wie sie Sylvester die Hunde mit dem Helikopter füttern flog und welchen Anblick ihr das Wasser hinter dem Haus geboten hatte, da konnte ich natürlich nicht ahnen, dass mich wenige Wochen später Gigatonnen von Wasser umgeben und mich von der Zivilisation abschneiden sollten. Wir hatten gerade eine Menge Besuch. Da war der in Brisbane lebende Michael - ein Dokumentarfilmer, der den ebenso anwesenden Aborigine Aschua begleitete. Dieser wiederum beabsichtigt von Ghilea (gespr.: gilla - meinem Hausvater Michael) durch die Zeremonien geführt zu werden. Aschuas Frau und ihre gemeinsamen drei Kinder waren ebenso vor Ort. Genauso wie Aschuas Brüder Bruce, Scott und dessen Freundin Kyley und zu guter Letzt Alex, die einige Kilometer westlich von Brisbane lebt und wenn sie nicht gerade in einer Kunstglasbläserei arbeitet, für Zeitungen Pressemitteilungen verfasst. Einige von uns saßen gerade auf der Veranda, als Ghilea mit todernstem Gesicht und dem Handy am Ohr dazu kam. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dann ablief. Die Situation war aber plötzlich folgende: Die landesweiten, immer wieder einsetzenden und dem Land sehr gut tuenden Regenfälle hatten nicht nur den Boden gesättigt und die Flüsse nach der langen Dürrezeit auf einen relativen Normalstand angehoben sondern auch die Dämme bis zum Anschlag gefüllt. Und als gerade für die Farmer sich alles zum Besten entwickelte und die Schafspreise auf das Doppelte explodierten, da in der Dürre ja alle verkauft hatten, zeigte Mutter Natur wieder einmal, was passiert, wenn man Kanäle baut, Dämme errichtet, Stopfen auf jeden einzelnen Geiser, von denen es hier wimmelt, pfropft, die Flüsse leer pumpt, den von Menschen künstlich kreierten, trockensten Kontinent der Welt schafft und das Land endlich mal wieder das Wasser vorweist, welches es benötigt: Sie lässt es Regnen. Die Dämme mussten geöffnet werden und tausende von Milliarden von Litern Wasser sollten schon bald eine Fläche von 12000 und mehr km² unter Wasser setzen. Die erwartete Jahrhundertflut wurde “immerhin” eine 50-Jahre-Flut. Und eines sei Vorweg gesagt: Wer ein paar Wochen auf Mogila verbringt, wird schnell verstehen, was ich mit den Worten meine, dass dieser Ort etwas magisches hat. Darum war es für mich letzten Endes nicht verwunderlich, wie sich das ganze entwickelt hat.

Zunächst eine Karte mit kurzen Erklärungen, wobei ich mich eines von den Amerikanern aufgenommenen Satellitenbildes bedient habe, welches sie in einem frühen Stadium der Flut aufgenommen haben.


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Die Tragweite der Überschwemmung reichte bis hinauf zu St. George und noch weiter. St. George liegt südwestlich von Dirranbandi, ca. noch einmal die Strecke von Hebel - Dirranbandi. Beim Höchststand der Flut war alles zwischen den beiden Flüssen Culgoa und Bokhara im Grunde genommen ein einziger See. Das Zentrum der folgenden Berichte ist Hebel, ein kleines Nest, welches am Bokhara und dort gerade noch auf dem Hochland zwischen dem Bokhara und dem Fluss Naran liegt.


Da waren wir also und hatten noch eine gute Woche Zeit uns vorzubereiten. Da der Bokhara direkt hinter Mogila verläuft und alles danach aussah, dass das Farmhaus unter Wasser stehen würde, räumten wir alle wichtigen Dinge in die höher liegende Scherhütte, in die Jutta, Michael und die Hunde im schlimmsten Falle hätten umziehen müssen. Die Hunde nicht nur der Hunde wegen, denn in solchen Situationen versucht auch alles andere einen trockenen und höher gelegenen Platz zu erreichen. Somit auch Spinnen, Ratten, Schlangen. Und gerade Matey ist als sehr erfahrene Schlangentöterin unentbehrlich. Nachdem wir also die wohl weltbequemste Scherhütte mit Generator, Kühlschrank, Papierlampions und Ledercouchgarnitur errichtet hatten, ging es nur noch darum, all die Leute zu evakuieren. Da wir, wie hätte es auch anders sein können, pünktlich eingeregnet worden waren, war die Straße vor Schlamm nicht befahrbar und wir mussten einen Helikopter anfordern. Dieser hingegen schien frisch vom Laufband einer Playmobil-Fabrik gekommen zu sein, sodass wir, die alle mit Sack und Pack bereit standen, uns wieder ins Farmhaus zurückzogen und darauf warteten, dass die nun zwei Tage anhaltende Sonne noch weitere zwei durchhält, um die Fahrt mit dem Auto zu ermöglichen. Was sie dann auch wirklich tat. Nach einer spektakulären Schlammfahrt, die sogar ein zweirad-betriebener Bulli schaffte, den wir nur zweimal aus dem Schlamm ziehen mussten, waren unsere Gäste also auf dem Weg in Sicherheit. Michael trat den Weg zurück nach Mogila an und Jutta und ich fuhren nach Lightning Ridge, wo wir die Känguruhs in Betreuung gaben und von woaus wir mich am folgenden Tag nach Hebel verfrachten.


- Wanderer